Gedanken zum Sonntag

 

Du bist auf dein Leben nicht festgelegt

Von Kirchenpräsident Dr. Volker Jung


„Du bist auf dein Leben, so wie es jetzt ist, nicht festgelegt. Aus deinem Leben kann etwas ganz anderes, etwas Neues entstehen.“ Das ist - säkular gesagt - die Botschaft von Ostern. Alle Religionen haben Bilder, die einem solchen Aufbruch Gestalt geben. Die christliche Osterbotschaft denkt ihn bis zum Ende und darüber hinaus. Sie bekennt den Sieg des Lebens über den Tod. Christen feiern Ostern als Fest der Auferstehung des Jesus Christus von den Toten. Konkret: Jesus wurde gekreuzigt, das geschah am Karfreitag. Drei Tage später, am Ostermorgen, war sein Grab leer. Der auferstandene Christus zeigte sich seinen Jüngerinnen und Jüngern. Die nahmen es nicht nur als Verheißung eines Lebens nach dem Tod. Sie sahen es auch als Zuspruch für ihr Leben hier und jetzt: Rechne mit der Kraft Gottes, sie kann das mühselige Leben in ein neues Leben verwandeln. Jedem, der dieser Kraft etwas zutraut, eröffnet die Osterbotschaft Hoffnung. Und schon das kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Das kann für den alten Menschen gelten, der dem Tod entgegen sieht und fragt, was dann sein wird. Das kann für jeden gelten, der sein Leben in einer Sackgasse sieht. Sei es ein Arbeitsplatz, der einen zwar finanziell ernährt, aber persönlich verhungern lässt. Sei es ein pflegebedürftiger Mensch, der nach der Perspektive seines Lebens fragt. Das kann auch für den Flüchtling gelten, dem das Leben in seiner Heimat zur Hölle gemacht wird und der woanders Schutz findet. Die Möglichkeit, neu anzufangen, kann für ihn wie Ostern sein. Und die, die es ihm ermöglichen, können das Fest mitfeiern. „Du bist auf dein Leben, so wie es jetzt ist, nicht festgelegt. Aus deinem Leben kann etwas ganz anderes, etwas Neues entstehen.“ Oder christlich gesprochen: „Gott will dein Leben, nicht deinen Tod.“ Diese Botschaft sät Mut aus im Vertrauen auf Gottes befreiendes Handeln.

Pfarrer Dr. Volker Jung ist  Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)

(Dieser Text erscheint  im Gießener Anzeiger am 23. April 2011.)