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Gedanken zum Sonntag

Von Klaus Weißgerber
Anfangs haben viele nur mal vorbeigeschaut, wollten gucken, was es in diesem
Laden so gibt. Andere hatten konkrete Anliegen oder wollten sich einfach mal
ihre Sorgen von der Seele reden, ihnen konnte meist geholfen werden. Die Rede
ist vom Kirchenladen "direkt am Turm". Heute vor sechs Jahren haben wir seine
Türen erstmals geöffnet. Inzwischen als kirchlicher Anlaufpunkt etabliert, haben
evangelische und katholische Kirche jetzt vereinbart, diese Arbeit langfristig
fortzuführen.
Wir haben im Kirchenladen auch etwas verkauft – in geringem Umfang. Es geht auch
nicht darum, hier Geld zu verdienen. Es haben Menschen wieder den Weg zurück in
ihre Kirche gefunden. Das freut uns sehr. Und was besonders schön ist: Es hat
sich ein Netz gebildet derer, die in diesem Laden arbeiten, die aus den
verschiedensten Gemeinden kommen, evangelisch und katholisch. Da wächst etwas,
nicht nur nach außen. Nein, das tut uns auch innerhalb der beiden Kirchen gut.
Kirche ist kein Selbstzweck und Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da
ist. Wenn weniger Menschen in die Kirche gehen, so muss die Kirche eben zu ihnen
kommen. Das ist ein Beispiel dafür, dass die Kirche sich in ihren
Erscheinungsformen weiterentwickelt. Sie reagiert auf die veränderten
Lebensgewohnheiten der Menschen. Kirche kommt ihnen entgegen mit dieser
Informations- und Anlaufstelle mitten in der Stadt.
Wir wollen in die Tat umsetzen, was uns aus unserem Glauben heraus wichtig ist:
Nämlich jeden Menschen anzunehmen, so wie er oder sie ist, und ihr und ihm
persönlich Begleitung anzubieten und beizustehen. „Ihr seid das Licht der Welt“,
sagt Jesus im Matthäusevangelium. Und dieses Licht sollen alle sehen: „Man
zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt
es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den
Menschen leuchten!“
Klaus Weißgerber ist Pfarrer für Evangelische Stadtkirchenarbeit in Gießen
(Dieser Text erschien im
Gießener Anzeiger am 28. August 2010.)
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