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Gedanken zum Sonntag

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Von Gottes Geist getrieben?
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Von Marcus Kleinert
Was treibt
christliche Theologen dazu, die eigene Kultur, Tradition und Religion absolut zu
setzen, wenn Mission verstanden wird als Instrument zur Rekrutierung möglichst
vieler Kirchenmitglieder? Was treibt Gläubige in aller Welt und in beinahe allen
Religionen dazu, anderen mit Gewalt die eigene Überzeugung aufzuzwingen? Was
treibt eine Gruppe von jungen Erwachsenen in der B-Ebene der Frankfurter
Hauptwache dazu, den Vorbeigehenden Angst zu machen vor der Strafe Gottes, der
Hölle, der Verdammnis? Ich weiß es nicht.
Was treibt die arbeitslose Frau aus Chemnitz, die atheistisch aufgewachsen ist
und Kirchen lediglich als Kulturdenkmäler nicht als Gotteshäuser kennt, dazu, an
drei Vormittagen pro Woche in der örtlichen Tafel Lebensmittel für bedürftige
Familien zu sortieren? Was treibt den Hauptschullehrer in Bochum dazu, mit dem
Dutzend türkischstämmiger Kinder seiner Klasse nachmittags zum zusätzlichen
Sprachunterricht zusammenzukommen? Was treibt den Obdachlosen, der auf der
Straße lebt und selten weiß, wovon er sich ernähren soll, dazu, fünf Euro für
die Renovierung der Kirche zu spenden, in die er auf der Durchreise gekommen
ist? Ich weiß es nicht.
Paulus, der große Theologe der ersten Christen, schreibt im Römerbrief (Kapitel
8, Vers 14): „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.“ Und an
anderer Stelle im Neuen Testament erfahren wir, dass eben jener Geist Gottes
weht, wo er will. Wir hören sein Sausen – selbst in unserer oft viel zu lauten
und schrillen Zeit. Aber woher er kommt und wohin er bläst, ist für uns meist
nur zu mutmaßen. Dass er sich aber nicht um unsere Konventionen und unsere
eingefahrenen Denk- und Handlungsmuster schert, ist klar. Er ist frei. Souverän.
Und deshalb auch so wirksam.
Marcus Kleinert ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Hungen
(Dieser Text erscheint im Gießener
Anzeige am 9. Januar 2010.)
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